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Artikel zum Thema "Frauen WM"


Mit Dreiecken gegen Brasilien

Beitrag von Rigoletti am 08.08.2011 18:41:34

Während wir immer noch versuchen, die Frauen WM zu vergessen, ist das erste Bundesligawochenende auch schon vorbei. Auf dem ersten Tabellenplatz steht Stuttgart. Vielleicht ist das ein gutes Omen, weil sich dort die Nationalmannschaft aufhält, um am Mittwoch, den 10.8.2011, in der nagelneuen Mercedes-Benz-Arena gegen Brasilien zu spielen.

Für dieses Spiel hat unsere Wahlhelferin Gabriele Damtew sehr offensiv aufgestellt und in ihre Aufstellung Dreiecke hineinkonstruiert.

Sie tippt ein 4:2 für Deutschland. Unsere Wählerschaft setzt ebenfalls auf Sieg. Häufigster Tipp im Moment 2:1.

Japan ist Weltmeisterin

Beitrag von Rigoletti am 20.07.2011 12:23:09

Überraschend ist Japan Weltmeisterin geworden.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!!!

Überraschend war auch, dass die deutschen Nationalspielerinnen offensichtlich zu den Japanerinnen gehalten hatten. Deutschland ist übrigens das einzige Land, das keine weibliche Form für seine Bewohnerinnen hat. Sowas wie Deutschinnen oder Deutschländerinnen. Anyway.

Irritierend an der Übertragung des WM-Frauenfußballfinales war, dass Günter Netzer nicht nur an den Lippen von uns Altkanzler Kohl hing sondern auch an dessen Hals.

Wovon sollen wir träumen

Beitrag von Rigoletti am 04.07.2011 13:32:17

Völkerball im Strafraum – Nach der Scham kommt die Wut

Australien gegen Äquatorialguinea. Die Matildas spielten gegen die afrikanische Unbekannte. Plauderte die Kommentatorin. Der Matilda-Trainer sei ein Frauenversteher und werde von seinen Spielerinnen gemocht. Er habe seine Mannschaft um frühe Ballannahme gebeten, viel Ballbesitz und kluge Bälle in die Spitze. Um ein frühes Tor hatte er nicht gebeten, aber nach einem klugen Ball in die Spitze und einem gewaltigen Torfraufehler fiel es. 1:0 für Australien.

Die Fehler dominierten ohnehin schon das Spiel, als der Ball vom äquatorialguinesischen Torpfosten abprallte und von einer Abwehrspielerin aufgefangen wurde. Und dann? Kein Elfmeter sondern Abstoß. Das war ein Schock. Welcher Fehler war der gröbere, den Ball auf dem Spielfeld aufzufangen (ja, sind wir denn beim Völkerball?) oder dieses Auffangen nicht als Handspiel zu erkennen? Ich schämte mich sehr.

Liebe Fußballspielerinnen, liebe Schiedsrichterinnen, liebe Fußballfreundinnen, wollen wir nicht alle jetzt, wo doch gerade zufällig Frauen-Fußball-WM im eigenen Land ist, gemeinsam mit Steffi Jones die fortschreitende Professionalisierung des Frauenfußballs erkennen können? Aber mit Völkerball im Strafraum wird das nichts! Ich wurde wütend. Auf die Spielerin, die Schiri-in und die Schmähschriften, die über dem Frauenfußball niedergehen werden. Und schlagartig war klar, welcher Ausschnitt der Frauen-WM 2011 die meisten YouTube-Klicks bekommen wird.

Das ganze Frauenfußballfest erschien so banal wie der ZDF-Titelsong Wovon sollen wir träumen – so wie wir sind, so wie wir sind. Ja, wie sind wir denn? Und wo überhaupt? Und wovon sollen wir träumen? Dass der Fußballrasen eine Blumenwiese ist, wo wir uns beim Kicken gegenseitig Blumenkränze ins Haar flechten?

Ich schaltete um und landete beim SWR in der wilden Heimat. Die Heuschrecke setzt auf ihre Sprungkraft, um dem Feind zu entkommen. Erfahre ich. Und: die Wiese ist vom Menschen gemachte Natur. Sie wird gemäht und das frische Grün beginnt wieder zu wachsen. Ein Zyklus.

Apropos. Ich gehe noch weiter weg vom Fußball und komme zu den eigentlichen Frauen-Themen. Der Zyklus. Menstruieren die Frauen einer Mannschaft eigentlich alle gleichzeitig? Frauen, die viel Zeit miteinander verbringen, gleichen ihren Monats-Zyklus nämlich aneinander an. Und welche Spielerin hat Hormon-Priorität? Die dominanteste Spielerin vielleicht, wie zum Beispiel Marta, die mit ihrem schwarzen Flatterzopf über den Platz irrwischt und unwirsch ihre Mitspielerinnen dirigiert? Aber die drei Wochen Vorbereitungszeit, die die Brasilianerinnen vor der WM hatten, reichten sicher nicht aus, um die Spielerinnen hormonell zu takten.

Brasilien – Norwegen. Marta und ihr Mitspielerinnen, die wahrscheinlich nicht gleichzeitig menstruieren, waren immer schneller als die plump gespielten norwegischen Pässe, konnten diese direkt in Empfang nehmen und zum Beispiel ins Tor schießen. Die Norwegerinnen setzten auf den Rückpass, wohl aus Angst, die Zweikämpfe im Mittelfeld zu verlieren. Die Brasilianerinnen gewannen aber alle Laufduelle. Brasilianerin gegen Norwegerin und Brasilianerin gegen Rückpass. Die Brasilianerinnen konnten Bälle annehmen und abspielen. Ein wenig hat mich das versöhnt. Das 1:0 durch Marta war zwar wieder ein Fehler, denn Marta setzte sich mit Strümerinnenfoul durch, ohne Pfiff und ohne Freistoß. Aber die beiden anderen Tore für Brasilien gingen in Ordnung. 3:0 für Brasilien. Das andere Spiel Australien gegen Äquatorialguinea endete übrigens 3:2 für Australien.

geschrieben für die

Wunschsiege in Gruppe D

Beitrag von Rigoletti am 30.06.2011 12:14:37

Knappe Wunschsiege in Augsburg und Gladbach

Gruppe D wie Da Mbabi mit vollem Namen Celia Okoyino da Mbabi, der Name der Spielerin im deutschen Team, den wir alle erst üben müssen, ehe er uns fließend von den Lippen geht. Haben wir doch erst Lira Bajramaj richtig aussprechen gelernt. Aber es geht jetzt nicht ums deutsche Team sondern um die Norwegerinnen, die gegen die Äquatorialguineanesinnen gespielt haben, und um die Brasilianerinnen, die gegen die Australierinnen angetreten sind. Bei beiden Spielen dominierte der Wunsch der Kommentatoren, dass die Favoritinnen ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Die Norwegerinnen (klarer Favorit!) und die Brasilianerinnen um Super-Weltklasse-Fußballerin Marta (natürlich).

Aus Augsburg, wo Norwegen gegen Äquatorialguinea (den WM-Neuling!) spielte, wurden wir von der Kommentatorin wiederholt darauf hingewiesen, dass die Mannschaft aus Afrika mit schlechter Presse zu kämpfen gehabt habe. Es seien Männer im Team, genau genommen wegen der beiden Schwestern, die im Verdacht stünden Brüder zu sein, die aber verletzungsbedingt gar nicht mit angereist sind. Einwände gäbe es auch wegen angeblich unangemessener Einbürgerungen einiger Südamerikanerinnen, deren Großeltern aber, vom Trainer verbürgt, aus der einheimischen Gegend stammten. Ich saß mit einer Freundin in der Hasenheide um mein mobiles Laptopfernsehgerät herum. Schon bei der Hymne schauten wir uns die Spielerinnen genau an. Afrika? Südamerika? Die Spielerinnen aus Äquatorialguinea sehen jedenfalls alle aus wie Frauen, ihr Trainer ist eindeutig ein Mann. Waren wir uns einig. Wir bestätigten uns auch gegenseitig, wie einfach sich feststellen ließe, wer welchem Geschlecht angehört. Aber die Frage, ob Geschlechtstests diskriminierend seien, konnten wir nicht abschießend beantworten. Währenddessen scheiterten die Norwegerinnen am Pfosten und die Äquatorialguineanesinnen an der norwegischen Torfrau. Es dominierten die Damen aus Afrika trotz des viel „erfahreneren Teams aus Norwegen“. Scheinheilig gönnte die Kommentatorin „den Afrikanerinnen die Chancen bei ihrer ersten WM-Teilnahme, gerade wegen der schlechten Presse im Vorfeld“. Ich gönnte den Norwegerinnen das 1:0 nicht.

Ebenso wenig gönnte ich den Brasilianerinnen den 1:0 Sieg. Mit „jetzt kommt Glanz und Samba in Hütte“ auf dem Bökelberg wollte uns der Kommentartor aus Mönchengladbach auf den Klassenunterschied zwischen Brasilien und Australien einstimmen. Aber die Brasilianerinnen wirkten verwirrt und kickten verwirrt lange Bälle ins Nichts oder direkt zur Gegnerin. Vielleicht weil die Australierinnen im sonst so brasilianischen Gelb spielten? Oder weil die Sambatanzerei beim Eintanzen auf dem Platz, in der Kabine oder im Spielerinnentunnel die Mädels ins geistige wie fußballerische Nirwana führte? Dort war lange Zeit auch der Kommentator, der sich immer wieder daran erfreute, dass die Australierinnen auch die Mathildas heißen, nicht aber daran, dass sie eindeutig besser waren. Erst zur Halbzeitpause hin musste ihm eine/r geflüstert haben, dass sich das Spiel entgegen seiner imaginierten Dominanz der Brasilianerinnen um Super-Weltklasse-Fußballerin Marta entwickelt hatte, weshalb er sie mit Besserungswünschen in die Pause schickte und direkt nach der Pause ein Lächeln (des Sieges?) aufs Martas Gesicht zu erkennen glaubte. So kam es dann auch. Er versuchte die Australierinnen, die auch die Mathildas genannt werden, zu trösten, sie sollten sich nicht ärgern über die knappe Niederlage. Aber sind es nicht die knappen Niederlagen, die am meisten ärgern?

geschrieben für die

Expertin Damtew

Beitrag von Rigoletti am 17.06.2011 13:29:13

Gabriele Ina Damtew spricht portugiesisch und versteht die brasilianische Spielweise, die deutsche versteht sie oft nicht. Trotzdem setzt sie mit ihrem Spieltipp 4:2 für Deutschland auf einen klaren Sieg. Das lässt uns natürlich alle hoffen.

Frau Damtew berichtete als Expertin exklusiv für Portugal und England über deren WM-Teilnahmen. Für die junge Welt schreibt sie regelmäßig die Sportkolumne AUS DEN UNTERKLASSEN.

Im September erscheint die Anthologie ZONENFUSSBALL - VON WISMUT AUE BIS BANNER TRINWILLERSHAGEN mit ihrem Beitrag ROT-WEISS WOLLE.

Und weitere Expertentexte in der jungen Welt gibt's zur FIFA Frauen-WM. Gabriele Damtew wie auch ich (Rigoletti als Marion Pfaus) bekommen in den nächsten Tagen eine WM-Gruppe zugelost, die wir dann schreibend (hoffentlich bis ins Endspiel!) begleiten.


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