Entführt von Maradona
Das Viertelfinale Paraguay - Spanien steht unter dem Eindruck des 4:0 der deutschen Mannschaft gegen Argentinien. Während im Hintergrund schon wieder Hymne gesungen bzw. nicht gesungen wird und Torsten mutmaßt, dass am fehlenden Hymnentext der Spanier Franco schuld sei, gehen wir davon aus, dass Spanien der nächste Gegner der Deutschen sein wird. Und so kommt es ja auch. Die Höhepunkte des Hintergrundspiels sind ein nicht gegebenes Tor von Valdez, drei Elfmeter und Villas fünftes WM-Tor zum 0:1 Sieg der Spanier.
Der Höhepunkt im Vordergrund ist Susan aus Bautzen, die 1982 als 14jährige in Maradona verliebt war. Der war so süß, der Diego! Susan, die damals von ihrer Westverwandtschaft mit Hanuta-Bildchen versorgt worden war, schrieb an Friedrich Musalek, dem Vertrieb der Bildchen, und diesen Namen wird sie vergessen, einen Brief für Maradona. Sie wollte entführt werden. Maradona sollte kommen und sie aus der DDR rausholen. Und um ihm die Sache zu erleichtern, hat sie sogar spanisch gelernt. Aber Maradona ist nicht nur nicht gekommen, sondern hat auch nie geantwortet. Geantwortet hat Friedrich Musalek mit einem Riesenzeitungsausschnitt von Maradona bei Barca.
Dass Maradona nicht gekommen ist, war sein Schicksal, denn sein Leben wäre vollkommen anders verlaufen. Maradona könnte heute ganz regulär Trainer der argentinischen Mannschaft oder sogar Jogi Löw sein, davon ist Susan überzeugt. Und heute würde sie sich eher von Philipp Lahm entführen lassen oder von einem langhaarigen Argentinier. Von Demichelis? Nee, vom Torwart.
Dieser Text erscheint am 5. Juli 2010

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