wahl11 - FanBlog

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Alarm in Herzogenaurach

Beitrag von Rigoletti am 30.06.2010 10:55:28

Es spielt Spanien gegen Portugal oder Ballzirkulation gegen Abwehrkunst oder der Glanz von Wien gegen den kleinen Nachbarn, Villa gegen Ronaldo, Glanz gegen Gloria oder einfach nur Adidas gegen Nike.

Adidas spielt gut und schießt sich als Jabulani mit sich selbst an Villas Fuß aufs portugiesische Tor. Die Bandenwerbung einmal ringsum erscheint in schwarz mit weißen Streifen und weißem Schriftzug, lediglich unterbrochen durch die Worte Cape und Town. Adidas Adidas Adidas. Gelegentlich frohlockt auch VISA VISA VISA von der Bande und anschließend Fly Emirates Fly Emirates Fly Emirates.

Aber wo ist Nike? Ich kann mich nicht erinnern, das Bögelchen im südafrikanischen Stadionrund gesehen zu haben. Dafür haben wir Nike schon vor dem Anpfiff gesehen im längsten Werbespot der Welt. Die Ronaldo-Vorschau mit dem Wunderschuss, der aber im echten Leben in Casillas Armen landet oder an jenem abtropft.

In der 63. Minute geht ein Aufschrei durch die Adidasstadt. Alarm in Herzogenaurach als im Gerangel Llorentes Trikot reißt. Materialermüdung? Llorente wurde doch gerade erst eingewechselt. Die Spanier tragen vier verschiedene Trikotvarianten, eng oder weit als Kurz- oder Langarm. Villa schießt im weiten Kurzarmtrikot das Siegtor. Zerrissen ist das enge Langarmhemd, was den Trikotwechsel ein wenig verlängert, weil sich beim Ausziehen auch der Ärmel verlängert. Das Spiel muss nicht in die Verlängerung. Spanien gewinnt. Adidas ist weiter, Nike auch, aber nur an der Brust der Holländer und Brasilianer.

erscheint am 1. Juli 2010

A380 - Der Nachtbus aus Kapstadt

Beitrag von Rigoletti am 29.06.2010 10:53:47

Rigoletti in Südafrika Teil 5. Diesmal in Begleitung von Bestsellerautor Uli Hannemann vom Airport in Kapstadt. Wer fliegt nach dem Viertelfinale nach Hause?

Gusche hat das Argentinien-Deutschland-Spiel auf der Spielkonsole schon mal gespielt. Wird er auch diesmal Recht behalten?

Hier der Vorbericht.

Englands zweite Chance aufs Finale

Beitrag von Rigoletti am 29.06.2010 10:08:03

Achtelfinale Brasilien - Chile

Die Zeremonie vorm WM-Spiel in Südafrika. Der Jabulani-Ball liegt auf einem Podest, aufgespannte Banner, die Flaggen der Nationalmannschaften und die FIFA-Flagge, der Bruder einer quadratischen Nivea-Dose, werden oben drüber getragen und anschließend auf dem Spielfeld drapiert. Teil zwei des Festzugs bilden die Spieler an der Hand von Kindern, die rechts und links am Ballpodest vorbei ziehen, am Ende kommt durch die Mitte die Reihe der Schiedsrichter. Der Chef, man erkennt ihn an der Pfeife, erledigt den Höhepunkt dieser Feierlichkeit und holt den Ball von seinem Thron. Kein anderer macht das mit der gleichen Würde wie Howard Webb aus England.

Der Rest ist klar, Hymnen singen, Mannschaftsfoto, Münzgewerfe, Wimpeltausch, Handgeschüttel, Getrabe und Gespringe, Fußballerkreis, Anpfiff, Tor.

Im Falle dieses Achtelfinales sind es drei Tore, die Webb für Brasilien pfeift. Seine Pfiffe sind stakkatoartig und streng, seine Gebärdensprache eindeutig. Ob er sich ruckartig am Hemd zieht (unerlaubtes am Trikot ziehen) oder sein Arm in höchster Anspannung auf den Mittelpunkt weist (Anstoß Chile), hier kommen keine Zweifel auf. Auch sein Hüpfer, um dem Ball kein Hindernis zu sein, hat Format.

Als er abpfeift, sagt der Kommentator: Die Brasilianer werden wir noch sehen im Turnier, die Chilenen nicht mehr. Dann sehen wir sie doch noch mal, sie sind enttäuscht, aber protestiert oder geweint wird nicht.

Howard Webb hat eine klare Partie klar geleitet und mit ihm hat England noch Chancen aufs Finale.

Dieser Text erscheint am 30. Juni 2010

Wir haben gewonnen

Beitrag von Rigoletti am 28.06.2010 10:46:51

4:2 gegen England und jetzt Schluss mit der Wembley-Rache.

Foto: Brenneisen

Besuch bei Tante Käthe

Beitrag von Rigoletti am 26.06.2010 15:01:24

Freitag, letzter Gruppenspieltag bei Tante Käthe mit Müller-Hohenstein und Kahn auf der Leinwand im Biergarten mit Stadionwurstgrill und Party. Spanier, Chilenen, Honduraner, Schweizer und Deutsche sind gekommen. Mir gegenüber sitzt ein 4jähriger Chilene im Schweizer-T-Shirt und brüllt Espana, Espana.

Liebe Frau Müller-Hohenstein, säßen Sie jetzt an meiner Statt hier auf der Bierbank, dann könnten Sie Ein Schmelztiegel der Kulturen sagen. Sie aber stehen weit weg am Moderatorenpult neben Oli. Katrin und Oli stehen heute frei, gestern mussten sich alle beide mit beiden Händen auf dem Pult abstützen als könnten die eigenen Beine sie nicht mehr tragen. Was hatten sie bloß gemacht? Und was uns die beiden heute sagen wollen, können wir nicht verstehen, da die laut sprechenden Tante-Käthe-Besucher die Lautsprecher übertönen. Die anwesenden Schweizer verhalten sich neutral.

Vom Schweiz–Honduras-Spiel sehen wir nur einen sich bekreuzigenden Ottmar Hitzfeld. Was hat das zu bedeuten? Wir erfahren es nicht, denn auf der Leinwand laufen sich Spanier und Chilenen warm. Hymne. Die Leinwand-Chilenen singen alle mit, die Leinwand-Spanier beschäftigen sich nicht mit der Frage Mitsingen oder nicht Mitsingen sondern mit der nach der geeigneten Gesichtsart. Ramos wählt den Blick zum Himmel.

In der 10. Minute springen die Tante-Käthe-Chilenen von ihren Bänken, OOUUUH und als Lothar Matthäus auf der Leinwand zu sehen ist, wird gelacht. Casillas trägt einen Schal und brüllt in der 13. Minute seine Abwehr an. Bis zur 25. Minute bleibt’s beim 0:0, dann schießt Villa aus großer Distanz ins Tor. 0:1 für Spanien.

In der 37. Minute sieht Béla Réthy die rote Karte, die dann wieder verschwindet und kurz drauf vorm Gesicht des Chilenen Estrada wieder auftaucht. Und während dieser Verwirrung ist auch noch ein Tor gefallen. 0:2 für Spanien. Béla Réthy spricht sechs Sprachen, auch die Fußballersprache hat er erlernt, aber richtig verstanden hat er sie nicht.

In der Halbzeit wechselt Ballack zu Leverkusen und Frau heute-Journal-Slomka wird der Ton abgedreht und durch Manu Chau ersetzt.

Wiederanpfiff. Die Tante-Käthe-Spanier und –Chilenen nehmen das Fußball-Spiel begeistert mit und handeln parallel noch alle anstehenden privaten Dinge miteinander ab. Es wird gesungen und getanzt wird nicht, zu voll bei Tante Käthe. Als Chile das 1:2 schießt, springen noch viel mehr Leute auf als bei den vorherigen Toren. Die Chilenen wünschen sich Tore, sonst müssen sie schon im Achtelfinale gegen die Brasilianer spielen.

Aber genau so kommt es. Spanien und Chile stehen im Achtelfinale gegen Portugal und Brasilien, für die Schweizer und Honduraner ist die WM vorbei. Und die Schweizer und Honduraner hier müssen jetzt auch noch die Schmach aushalten, dass ihre National-Flaggen in Tante Käthes Galerie der Schande gehisst werden. Zu Moricone-Musik.

Noch immer brutzeln die Stadionwürste, echte grobe Bratwurst, das Bier fließt, die Sonne scheint bei Tag und Nacht und die eviva espana Party geht weiter.

dieser Text erscheint am 28. Juni 2010


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