LÖ-W 608
Gefunden in Löws Heimatdorf Schönau im Landkreis Lörrach.

Wem gehört der Bundestrainer?

Von unserem Außenautofotograf Rolf Miller, unterwegs auf den Straßen der Republik.
Gefunden in Löws Heimatdorf Schönau im Landkreis Lörrach.

Wem gehört der Bundestrainer?

Von unserem Außenautofotograf Rolf Miller, unterwegs auf den Straßen der Republik.
Montag. Der Start in den zweiten Spieltag der Gruppe H wird eingerahmt von Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn. Frau Müller-Hohenstein, die für starke Metaphern bekannt ist, kommentiert das soeben zu Ende gespielte 7:0 der Portugiesen mit einem Mein lieber Herr Gerichtsvollzieher. Wie wär’s mit Wenn’s kracht nochn Meter für ein ordentliches Foul oder Da erschallen die Posaunen des jüngsten Gerichts wenn der Schiedsrichter ein solches mit einer Karte bestraft? Ich hätte da einen Literaturtipp! Herr Peter Handke hat in seinem Sprechstück Weissagung alle Allegorien versammelt - ein unerschöpfliches Repertoire. Und der große Deutsche Handke ist ein großer Freund der Serben. Jetzt bin ich in die Gruppe D gerutscht. Entschuldigung
Die Chilenen und Schweizer haben sich zur Singreihe aufgestellt, davor steht eine Reihe kleiner Südafrikaner. Zehn kleine Jägermeister.
Ich sitze im Zelt des WM-Dorfs von Ars Vini im Prenzlauer Berg. Links von mir die Leinwand, rechts der Gehweg.
Nach zehn Spielminuten hat Benaglio schon einige flatternde Bälle gehalten. In der 20. Minute fällt der Strom aus. Der Ton ist zuerst wieder da und wir hören von Béla Réthy, dass irgendwers Bruder mal Außenminister war. Das wirft Fragen auf. War von einem Spieler die Rede? Jeder muss nun selbst erahnen, ob wohl der Bruder eines Chilenen oder eher der Bruder eines Schweizers mal Außenminister gewesen ist. Auch das eingeblendete Foto von Béla Réthy wirft Fragen auf. Hat er innerhalb der Redaktion eine Wette verloren?
In der 31. Minute gibt’s die rote Karte für den Schweizer 11er für einen Schlag auf den Zwölfer. Frau Müller-Hohenstein ist die einzige Person, die diese Karte in der Halbzeitbesprechung mit Da kann er ja Theater spielen bis Weihnachten ist verteidigt.
Bis zur 75. Minute hat Benaglio alle Bälle gehalten. Doch dann gewinnt Chile mit 1:0.
Orts- und Senderwechsel. Alois S, Jürgen Klopp und Günter Jauch. Dazu das Bier der Woche und Spanien gegen Honduras.
Wir erfreuen uns an den Trikot-Aufdrucken Guevara oder Welcome und am Honoratiorenschwäbisch eines Jürgen Klinsmann. Die Honduraner erfreuen sich eher nicht, denn schon in der 6. Minute trifft Villa die Latte und in der 17. Minute mitten hinein ins Tor.
Torres fasst sich nach zwei vergebenen Torchancen ins abgeschnittene Haar und ich frage mich, ob es innerhalb der Fußballstarwelt noch untätowierte Arme gibt. Zeigt her eure Arme! Ramos wischt sich mit seinem Handgelenktattoo die Stirn und Villas Tattoo ist gar nicht zu sehen. Er hat sich so tätowieren lassen, dass man es nicht sieht, so wie es Schminke gibt, die man nicht sieht. David Villa ist tätowiert und geschminkt. Die Spanier wollen ja schließlich schön Fußball spielen.
In der Halbzeitpause in Frankfurt zeigen uns Kloppo und Jauch ausrastende spanische Fans. Hier herinnen in der Tapas-Bar im Prenzlauer Berg gibt man sich zurückhaltend.
Wiederanpfiff. 51. Minute Villa 2:0. 52. Minute Ramos 2:0. 53. Minute Navas 2:0. 62. Minute Elfmeter 2:0. Dann kommt Fabregas 2:0. Und Schluss.
Dieser Text erscheint am 22. Juni 2010

Im Fanblog sagt Grabowski:
Moin Rigoletti, habe an anderer Stelle meine Ghana-Aufstellung durchgegeben. Die Taktik ist klar: Bring "Farbe" ins Spiel. Da die (meine) deutsche Mannschaft (bis auf Weis(!) und Rausch (!!)) nur dunkelhäutig aufläuft und beide Teams in weißen Trikots spielen, ist eine Unterscheidung der Spieler für den Schiedsrichter nicht mehr möglich. Da wir auf Grund glänzender Beziehungen nach "ganz oben" (Beckenbauer) großen Einfluß auf die Schiedsrichternominierung nehmen konnten, fiel die Wahl auf Jimmy Hartwig. Es dürfte wohl klar sein, wem der Treffer zugeschrieben wird, in welchem Tor er auch immer landet.
Und so hat Grabowski gewählt

Freunde, es gibt Hoffnung!!
Endspiel - Vorspiel - Rigoletti live aus Südafrika
Unsere Promiwählerin Dr. Julia von dem Knesebeck von bilandia hat wie folgt gewählt

und für jeden Spieler einen Buchtipp:
Neuer: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter von Peter Handke
Badstuber: Lausbubengeschichten von Ludwig Thoma
Mertesacker: Gullivers Reisen von Jonathan Swift
Tasci: Der Turm von Uwe Tellkamp
Lahm: Der kleine Hobbit von J.R.R. Tolkien
Schweinsteiger: Strategisches Management und Nachhaltigkeit von Chantal Wagner
Khedira: Die Fußball Matrix von Wolf Biermann
Cacau: Cacau kommt gerade recht von Hanno Herzler
Özil: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera
Kroos: Sturm und Drang von Friedrich M. Klinger
Gomez: Don Quijote von Cervantes
Jogi Löw: Alle unsere frühen Schlachten von Javier Marias
HAHOHI Rigoletti
Der Siegeswille ist den Chilenen schon beim Singen der Hymne von den Lippen abzulesen. 1 Meter 77 große Chilenen spielen gegen 29jährige Honduraner und dazu tragen sie weiße Söckchen über den Stutzen.
Ich befinde mich im WM-Quartier der 11 Freunde und habe mir am Eingang von der Security in die Tasche sehen lassen müssen. Das prangere ich an! Das Vuvuzela-Verbot nicht.
Die Arena ist leer, weil die anderen Fußballfans noch ihre Fähnchen spazieren fahren müssen.
Auf der Brust der Honduraner prangt über der Nummer ein Honduras-Fußball-Logo, das aus der Ferne aussieht wie ein U. Da steht U 20 und U 17. Jugendspieler denk ich, erst bei der U 2 bin ich stutzig geworden.
Während mein Gesprächspartner von den früheren Erfolgen des SV Viktoria Aschaffenburg berichtet, fällt das 0:1 für Chile, die die beste Mannschaft seit 62 haben, kolportiert der Kommentator, und dass die Chilenen Weltmeister werden wollen. Aber die Spanier? Die Europameister wollen doch auch Weltmeister werden!
Der Mann von der Security steht mit dem Rücken zur Leinwand, so kann er uns besser beschützen. Die Arme trägt er locker hängend als Schmuck.
Langsam füllt sich die Arena und kaum hat der Schiedsrichter das erste Spiel abgepfiffen, versucht eine Horde spanischer Jugendlicher die Arena zu stürmen, bleibt aber erst mal im Einlassstau hängen. Dort müssen auch sie die Taschen öffnen bevor sie auf der Tribüne eine rot-gelbe Fankurve bilden dürfen. Jede mit spanischen Wimpeln behängte Person, die rüber zum Bierstand schlendert, wird mit Laola verabschiedet und mit Laola begrüßt. Olé!
Ab und an fällt von der Gegentribüne ein leises Hopp Schwiiz! Es kommt von einer Gruppe Schweizerinnen, die Männer sind noch auf der Arbeit.
Dann die Hymnen. Bisher hatte ich geglaubt, die spanische Hymne habe keinen Text, aber drüben aus der Fankurve kommen gut verständliche Lalalaa-Gesänge herüber.
Der Kommentator erinnert uns an die 12 Lena-Punkte aus Spanien und aus der Schweiz, er metaphert das spanische Spiel zum Schweizer Uhrwerk, schwärmt von der Vielsprachigkeit Senderosens und erwähnt mit keinem Wort, dass der englische Schiedsrichter Webb während der EM Morddrohungen aus Polen bekommen hatte.
Ramos küsst den Ball auf dass er sich in ein wunderschönes Tor verwandele. Halbzeit.
Zur Gruppe der Schweizerinnen haben sich nun auch die Männer gesellt, die Banken haben jetzt geschlossen. Und in der spanischen Fankurve herrscht Hochbetrieb. Der Mann von der Security trägt seine Arme eingehakt in die Gürtelschlaufen, die Hände lässig am Sack, er ist der Mann von der Sackurity.
52.Minute. Es kommt zur ersten Überraschung dieser WM. Ein Überraschungstor, es steht 0:1 für die Schweiz.
Hopp Schwiiz! Hopp Schwiiz! Espana, Espana, Espana!
70.Minute Latte. Es steht 0:1. 75.Minute Pfosten. Es steht 0:1.
Senderos kann nicht mehr vernünftig laufen. Läuft er jetzt unvernünftig? Wie sieht ein Vernunftslauf überhaupt aus?
Die fünf Minuten Nachspielzeit strapazieren das Schweizer Uhrwerk sehr. Hopp Schwiiz! Aus, aus, das Spiel ist aus!
Am 18. Juni 2010 in der jungen Welt.
